Geschichte des Ortes

Im Jahr 1952 gelang Josef Striebel eine kleine Sensation: Er erbrachte den Nachweis, dass Kirch-Siebnach eine alte römische Siedlung ist! Im Friedhof entdeckte er einen Falzziegelrest und am Ende des Hanges eine 50cm tiefe, mit römischem Schutt überzogene Brandstelle.

Im Mittelalter war Siebnach im Besitz der Welfen. Sie errichteten im Jahr 1070 in Kirch-Siebnach eine Burg, auf der fortan die Ritter von Siebeneich, Gefolgsleute der Welfen, lebten. Zu dieser Zeit tobte aber gerade der Investiturstreit, ein Machtkampf zwischen Kaiser und Papst. Im Zuge dieser Auseinandersetzung wurde die Burg nur 13 Jahre später, im Jahr 1083, von Bischof Siegfried von Augsburg, dem Schwabenherzog Friedrich und dem Grafen Rapoto von Vohburg gestürmt und zerstört.

Den Siebeneichner war das Glück auch in der Folgezeit nicht hold: Hartmann I. von Siebeneich rettete im Jahr 1168 Kaiser Friedrich Barbarossa bei der Flucht aus Italien das Leben. Er legte sich mit den Gewändern des Kaisers in dessen Bett, um seine Anwesenheit vorzutäuschen. Obwohl die Herren sich getäuscht sahen, vergriffen Sie sich nicht an Hartmann. Im 12. und 13. Jahrhundert übergaben Herzog Welf IV. und die Ritter von Siebeneich schließlich den restlichen Besitz an das Kloster Steingaden. Deshalb war Siebnach bis zur Säkularisation im Jahr 1803 in das steingadische Obervogtamt Wiedergeltingen integriert.

Wie die Kirche St. Georg entstand

Die einst sehr bedeutende Wallfahrtskirche „St. Georg“ wird erstmals im Jahr 1238 urkundlich erwähnt. Kirch-Siebnach bestand zur damaligen Zeit neben der Kirche nur noch aus einem Mesnerhaus und einem Bauernhof. Bis zum Jahr 1593 erfolgte eine erste größere Restaurierung der Kirche sowie die Festlegung der Kirchenpatrone. Für den Choraltar wurden die Kirchenpatrone Georg und Johann Baptist bestimmt und für die Seitenaltäre Maria-Sebastian und Blasius-Laurentius. Bis zum Jahre 1630, in dem auch die untere Hälfte des Kirchturmes entstanden ist, wurden die Namen in Georg, Silvester und Maria geändert.

Die einst sehr bedeutende Wallfahrtskirche „St. Georg“ wird erstmals im Jahr 1238 urkundlich erwähnt. Kirch-Siebnach bestand zur damaligen Zeit neben der Kirche nur noch aus einem Mesnerhaus und einem Bauernhof. Bis zum Jahr 1593 erfolgte eine erste größere Restaurierung der Kirche sowie die Festlegung der Kirchenpatrone. Für den Choraltar wurden die Kirchenpatrone Georg und Johann Baptist bestimmt und für die Seitenaltäre Maria-Sebastian und Blasius-Laurentius. Bis zum Jahre 1630, in dem auch die untere Hälfte des Kirchturmes entstanden ist, wurden die Namen in Georg, Silvester und Maria geändert.

Für die abgeschiedene Lage, in ungewöhnlich großer Entfernung zum Ortskern von Siebnach, gibt es eine plausible Erklärung. So ist heute bekannt, dass die Kirche auf dem Grund einer mittelalterlichen Burg steht, die von den Herren von Siebeneich bewohnt wurde. Es wird angenommen, dass die Kirche auf die einstige Burgkapelle zurückgeht, wobei der Kirchturmsockel als einziges Relikt aus dieser mittelalterlichen Zeit angesehen wird.

Daneben kursiert im Dorf eine Sage bei der erzählt wird, dass zunächst die Absicht bestand, im ca. 2 km entfernten Siebnach die Kirche zu errichten. Die Fuhrleute und Bauern waren fleißig mit dem Transport von Steinen, Holz und Kies beschäftigt, mussten über Nacht jedoch verwundert feststellen, dass das gesamte Baumaterial wie von unsichtbarer Hand nach Kirch-Siebnach gekommen war. Als sich dieser Zauber zum dritten Mal ereignet hatte, interpretierten die Bewohner dies als ein Zeichen Gottes und erbauten ihre Kirche an der von dieser überirdischen Macht gezeigten Stelle.

Aufbau und Ausstattung der Kirche
 Die von einem Friedhof umgebene St.-Georg-Kirche zeichnet sich durch ihre einzigartige Hanglage im Wertachtal aus. Das Langhaus ist mit einer Vielzahl von Fensterjochen und toskanischer Pilastergliederung ausgestattet. Der Chor ist deutlich niedriger gebaut, jedoch auch mit Pilastern beschaffen. Der Turm, der sich zwischen Langhaus und Chor und auf einem quadratischen Sockel befindet, besteht aus vier Geschossen mit Kleeblattbogenfriesen. Darüber befinden sich zwei Achteckgeschosse mit dünneren Diagonalseiten.

Der Innenraum der Kirche ist mit dekorativem Stuck, Fresken, Gemälden und Figuren ausgestattet. Die Stuck-Verzierungen, für deren Anfertigung der Gips aus der kurbayerischen Herrschaft Hohenschwangau und Schwabegg angeliefert wurde, finden sich vor allem in Form von Lorbeerrahmen, Muscheln, Blattranken und Fruchtgehänge.

Die beeindruckenden Fresken stammen aus dem Jahr 1907 und wurden vom Maler Leonhard Thoma angefertigt, nachdem die alten Deckengemälde aus der Barockzeit verblasst waren. Es wird angenommen, dass sich Leonhard Thoma bei seinen Arbeiten stark an den ursprünglichen Deckenbildern orientierten, die Lob Mariens nach den Anrufungen der laurentanischen Litanei zeigen. Die Hauptbilder sind Maria Heimsuchung, Maria Verkündung, Geburt Christi, Maria Opferung und Jesus im Tempel. Zusätzlich wird im Chor Maria Himmelfahrt und die Krönung Mariens präsentiert. Ebenfalls im Chor bzw. an der Chorbogenwand befinden sich die vier Evangelisten, die vier lateinischen Kirchenväter, der hl. Josef und Moses.

Die Altäre bilden zusammen mit der Kanzel ein sehr spätes Beispiel der traditionellen Türkheimer Altarschreinerkunst. Somit ist der in Barockformen gestaltete Hochaltar viersäulig aufgebaut und zusätzlich mit klassizistischen Elementen ausgestattet. In der Mitte des Hochaltars thront das aus Holz geschnitzte Gnadenbild, welches die mit einem Skapulier behängte Mutter Gottes vom Berge Karmel darstellt und auf die im Jahre 1666 gegründete Skapulierbruderschaft zurückgeht. Begleitet wird das Gnadenbild von zwei vergoldeten Statuen in Lebensgröße, darunter der Kirchenpatron St. Georg und der Pestheilige St. Sebastian. An den Seitenaltären kann man südlich die Mutter Anna und nördlich den verehrten Heiland von der Wies betrachten, der ein sehr hohes Ansehen bei den Steingadener Prämonstratenser hatte. Ebenso sind auf den Seitenaltären Reliquienschreine vorhanden, die nördlich ein Prager Jesuskind und südlich ein geschnitztes Marienmonogramm darstellen. Diese beinhalten Gebeine und Partikel von römischen Märtyrern, die wahrscheinlich im 18. Jahrhundert von Steingaden Richtung Kirch-Siebnach gebracht wurden.

Weitere Ausstattungsmerkmale der Kirche sind unter anderem die Kanzel, die sich an dem klassizistischen Stil orientiert. Der Taufstein ist durch die Taufe Christi aus dem 17. Jahrhundert gekennzeichnet. Im 19. Jahrhundert wurde die Orgel durch Balthasar Pröbstle aus Füssen angefertigt. An den Wänden des Chors und des Langhauses befinden sich 14 Apostelbilder, die etwa aus der Zeit der Erbauung der Kirche stammen. Zusätzlich findet man 14 Kreuzwegstationen, die von Niedermaier aus München im Jahr 1908 gestaltet wurden.

Die Wallfahrt

Kirch-Siebnach war im 17.-20. Jahrhundert ein sehr bedeutender Wallfahrtsort. Die Wallfahrt begann dort in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als Abt Augustin Bonenmayr von Steingaden das Gnadenbild in der Kirche aufstellen und am 23. Mai 1666 die Skapulierbruderschaft einführen ließ. Damit versuchte er dem kirchlichen Leben nach dem Dreißigjährigen Krieg zu einem neuen Aufschwung zu verhelfen. Schon wenige Jahre später kamen tausende geplagte Pilger nach Kirch-Siebnach, um vor dem Gnadenbild Erhörung ihrer Gebete zu finden. Als Zeugnis aus dieser Zeit existieren heute noch ca. 20 Votivbilder.

Als die Bruderschaft von Bonenmayr ins Leben gerufen wurde, kam es etwa zur selben Zeit zur Gründung einer Skapulierbruderschaft in Eppishausen, die ihr Fest eine Woche vor den Siebnachern feierte. Es erfolgte eine Prozession von Siebnach nach Eppishausen und am nächsten Sonntag von Eppishausen nach Siebnach. Dadurch kam es immer mehr zu freundschaftlichen und verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den Bewohnern beider Dörfer.

Entstehungs- geschichte der Kapelle St. Anna

Die St.-Anna-Kapelle im Ortskern von Siebnach wird erstmals im Jahr 1419 – knapp 200 Jahre nach der außerhalb des Ortes gelegenen St.-Georg-Kirche – urkundlich erwähnt. Hierbei ist zunächst von einer Kapelle mit dem Namen „Unser Frauen Egart“ die Rede, womit klar wird, dass es sich um eine Marienkapelle handelt. Dass die Kapelle einst von gewisser Bedeutung war, zeigt die Tatsache, dass sie zu Zeiten der Pest und des 30-jährigen Krieges die Rechte zur Aufbewahrung des Allerheiligsten erhält.

Ihr heutiges Erscheinungsbild verdankt die Kapelle dem Wessobrunner Baumeister und Stukkateur Johann Schmutzer, der auch für den Bau der Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in Ilgen (Gemeinde Steingaden) bekannt ist. Schmutzer stattet die Kapelle bei ihrem Neubau im Jahr 1682 mit einer prächtigen, stukkierten Kuppel aus, welche jedoch keine 200 Jahre später durch eine einfache Flachdecke ersetzt wird.

Im Jahre 1823 kam es zum Rechtsstreit zwischen der Kapellenstiftung und der Gemeinde Siebnach. Hierbei wurde festgelegt, dass die Gemeinde die Kosten für den Bau bzw. für den Erhalt tragen muss. Jedoch beseitigte die Inflation das angesammelte Vermögen. Da die Stukkdecke über die Jahre sehr beschädigt wurde, wurde 1856 eine Flachdecke als Ersatz angefertigt. Es folgten in den nächsten zwölf Jahren weitere Reparaturen am Turm der Kapelle. Im Jahr 1993 wurde eine Generalsanierung durchgeführt und die letzten Ausbesserungen fanden in den Jahren 2010 und 2011 statt.

Ausstattung der Kapelle

Eine Besonderheit im Inneren des oktogonalen Zentralraums ist das liebevoll gestaltete Deckenbild, welches die Schlüsselübergabe an Petrus zeigt. Der Altar der Kapelle entstand in der Barockzeit und ist mit einem Altarbild verziert, welches vermutlich aus dem Jahr 1683 stammt. Abgebildet ist die Kirchenpatronin St. Anna, die zusammen mit St. Joachim die Mutter Gottes in der heiligen Schrift unterweist. An der westlichen Altarseite befindet sich zudem ein Denkstein für Maria Kunigunde Koller. Dieser wurde im Jahr 1789 von ihren sieben Kindern, darunter zwei Prämonstratenser in Steingaden und Schäftlarn und ein Augustinerchorherr in Rottenbuch sowie eine Klosterfrau im Dominikanerinnenkloster Altenhohenau am Inn, gesetzt.